AG Funktionelle Gerinnungsanalysen

Funktionelle „Point-of-Care“-Gerinnungsdiagnostik mittels Viskoelastometrie ist etablierter Standard in vielen Bereichen der perioperativen Medizin. Bislang werden die Verfahren aber überwiegend zur Diagnostik einer diffusen Blutungsneigung eingesetzt. Wir erforschen in enger Zusammenarbeit mit anderen Fachdisziplinen neue Einsatzmöglichkeiten funktioneller Gerinnungsanalysen und wirken so aktiv mit an der Entwicklung der bettseitigen Gerinnungsdiagnostik von morgen.

Forschungsthemen – Schwerpunkte

Detektion von direkten oralen Antikoagulanzien

Eine zunehmende Anzahl an Patientinnen und Patienten erhält Medikamente aus der Gruppe der direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK). In Notfallsituationen mit Blutungsproblematik stellt uns das vor erhebliche Herausforderungen, da die Messung z. B. von Plasmakonzentrationen nur mit zeitaufwändigen Spezialanalysen möglich ist. Wir haben in enger Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Prof. Schäfer (LMU München) neue Teste entwickelt, die in der Lage sind, diese Medikamente mit sehr hoher Präzision in Minutenschnelle nachzuweisen. Die neuen Testverfahren werden aktuell in einer multizentrischen Patientenstudie evaluiert und weiterentwickelt.

Prothrombotische Veränderungen

Nicht nur eine eingeschränkte Blutgerinnung, sondern auch eine prothrombotische Veränderung kann für kritisch kranke Patientinnen und Patienten ein Problem darstellen. Insbesondere bei COVID-19 sind thrombembolische Komplikationen entscheidend für das Outcome. Wir erforschen neue viskoelastometrische Verfahren, mit denen wir in der Lage sind, eine überschießende Blutgerinnung zu detektieren.

Höhenanpassung

Nicht nur kritisch kranke Patientinnen und Patienten, sondern auch gesunde Menschen können von prothrombotischen Veränderungen betroffen sein. So bewirkt die sogenannte hypobare Hypoxie bei Bergsteigern auch Veränderungen der Blutgerinnung, was eine mögliche Erklärung für thrombembolische Ereignisse bei Berg- und Flugreisenden sein kann. Wir erforschen die Veränderung der funktionellen Blutgerinnung in großer Höhe. Hier nutzen wir auch die Möglichkeit, entsprechende Bedingungen in Klimasimulatoren zu untersuchen.

Monitoring der Effekte von Tranexamsäure und „fibrinolytic shutdown“

Die Gabe von Tranexamsäure erfolgt therapeutisch oder prophylaktisch zur Behandlung und Prävention einer Hyperfibrinolyse. Allerdings ist eine prolongierte Lysehemmung nach Tranexamgabe (sogenannter „fibrinolytic shutdown“) ein negativer Prädiktor für das Outcome, z. B. von polytraumatisierten Patientinnen und Patienten. Wir verwenden neuartige viskoelastometrische Verfahren, um die fibrinolytische Kapazität unserer Patienten und die Wirkdauer von Tranexamsäure zu detektieren und die Therapie anzupassen.

Wichtigste Kooperationspartner

  • Professor Simon Schäfer und Dr. Philipp Groene, LMU München
    Professor Schäfer ist leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie an der LMU München, Dr. Groene ist Facharzt und Senior Researcher. Beide beschäftigen sich seit Jahren mit der Entwicklung neuer Einsatzmöglichkeiten funktioneller Gerinnungsanalysen und haben zahlreiche Studien geplant und durchgeführt.
     
  • Professor Marc Maegele, Klinikum Köln-Merheim, Universität Witten/Herdecke
    Professor Maegele ist Unfallchirurg und führender Experte auf dem Gebiet der funktionellen Gerinnungsdiagnostik, insbesondere bei polytraumatisierten Patientinnen und Patienten. Er ist außerdem Prüfarzt in unserer multizentrischen Studie zur Detektion direkter oraler Antikoagulanzien.
Aktuelle Promotionsprojekte

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