15.10.2021
Anästhesiologie

Telefonreanimation rettet viele Leben

Umsetzungsquote noch zu gering

Foto: Alex / Adobe Stock
Foto: Alex / Adobe Stock

Ein Familienmitglied bricht zusammen und Sie wissen nicht was zu tun ist? Der letzte Erste-Hilfe-Kurs war beim Erwerb des Führerscheins und Sie erinnern sich nicht mehr an die einfachen Wiederbelebungsmaßnahmen? In diesem Fall kann die Telefonreanimation, also die telefonische Anleitung durch die Rettungsleitstelle, unterstützen und helfen das Leben der Liebsten zu retten. In Deutschland wird diese allerdings bisher nicht ausreichend durchgeführt – dies zeigt eine aktuelle Untersuchung. Der Deutsche Rat für Wiederbelebung unter Vorsitz von Univ.-Prof. Dr. Bernd Böttiger, Direktor der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Uniklinik Köln, fordert deshalb die flächendeckende verpflichtende Umsetzung der Telefonreanimation in ganz Deutschland.

Pro Jahr erleiden mindestens 70.000 Menschen in Deutschland einen Herz-Kreislaufstillstand – die dritthäufigste Todesursache. Davon überlebt bisher nur etwa jeder Zehnte. Mit einer sofortigen Reaktion können Anwesende hier ganz einfach helfen und die Überlebensrate verdreifachen. Doch viele Menschen wissen nicht, was genau sie in dieser Situation tun müssen. Hier kommt die Telefonreanimation ins Spiel. „Wenn Sie den Notruf wählen, erklärt die Disponentin oder der Disponent mit einfachen Worten, wie man eine effektive Herzdruckmassage ausführen kann, auch wenn man nicht darin trainiert ist,“ so Prof. Böttiger, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Rates für Wiederbelebung (GRC). Die Telefonreanimation muss nur neun Mal durchgeführt werden, um ein Leben zusätzlich zu retten.

Eine aktuell durchgeführte Studie des GRC gemeinsam mit der Klinik für Anästhesiologie und Operative Intensivmedizin der Uniklinik Köln, der ADAC Stiftung und mit Unterstützung des Fachverbandes Leitstellen e.V., an der 166 von 249 Rettungsleitstellen teilnahmen, zeigt zwar erfreulicherweise, dass alle Rettungsleitstellen die Telefonreanimation grundsätzlich durchführen, doch eine Umsetzungsquote von >80 Prozent bei Anrufen mit Herz-Kreislaufstillstand wird nur in weniger als der Hälfte aller teilnehmenden Rettungsleitstellen erreicht.

Daher fordert der GRC – neben der Ausbildung von Schülerinnen und Schülern in Wiederbelebung (ichrettedeinleben.de) – die verpflichtende bundesweite Durchführung von Telefonreanimationen in allen Rettungsleitstellen. Auch 78 Prozent der befragten Leiterinnen und Leiter der Rettungsleitstellen befürworten eine solche gesetzliche Verpflichtung.

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